Am 5. September 2025 wurden in Radevormwald zwei Stolpersteine verlegt. Erinnert wird an Herta Berthold-Plaat, die in Radevormwald gelebt hat und an ihren Ehemann Max Berthold.

Herta Berthold, geborene Plaat, war die einzige jüdische Mitbürgerin in Radevormwald während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Sie wurde am 2. Juli 1901 in Düsseldorf geboren. Ihre Eltern Josef und Lisette Plaat hatten vier Kinder; Hertas Schwestern Recha und Grete wurden im Konzentrationslager ermordet.

Herta Plaat war Musikerzieherin und Pianistin. Sie heiratete am 7. April 1934 in Düsseldorf den Konzertmeister Georg Max Berthold, geboren am 25. Juli 1880 in Königshain (Sachsen). Er war nicht jüdisch und hatte aus erster Ehe eine Tochter. Das Ehepaar erlebte die Pogromnacht 1938 in Düsseldorf und zog während des Krieges über Gruiten nach Radevormwald, wo es ab Juni 1941 in Bergerhof lebte. Herta Berthold arbeitete dort unter anderem im Büro der Firma Meskendahl & Ambrok und erinnerte sich dankbar an die menschliche Behandlung durch Kollegen und Nachbarn.

Am 30. September 1944 wurde Herta Berthold verhaftet und nach Berlin gebracht. Ihr Mann Max besuchte sie dort, erkrankte aber schwer und starb am 4. Dezember 1944 in Radevormwald an einer Lungenentzündung.

Als Witwe verlor Herta Berthold den letzten Schutz. Am 2. Februar 1945 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Dort erlebte sie Hunger, Krankheiten und Demütigungen, überlebte jedoch die Befreiung des Lagers am 9. Mai 1945. In einem bewegenden Bericht schilderte sie ihre Erfahrungen, ohne Hass auf ihre Peiniger zu äußern, jedoch mit tiefer Trauer über den Verlust ihres Mannes.

Nach ihrer Rückkehr am 1. Juli 1945 nach Radevormwald beteiligte sie sich am kulturellen Leben, trat als Pianistin bei Veranstaltungen auf und gab Klavierunterricht. 1951 emigrierte sie nach Kolumbien, kehrte aber 1957 in ihre Heimatstadt Düsseldorf zurück. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod am 3. Februar 1985. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf beigesetzt.

Die Stolpersteine wurden nach einer Ansprache von Bürgermeister Johannes Mans an der Elberfelderstraße, am letzten gemeinsamen Wohnort des Ehepaares, verlegt. In seiner Ansprache dankte er besonders den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 11 des Theodor-Heuss-Gymnasiums, die das Leben und Schicksal des Ehepaars in intensiver Projektarbeit recherchiert haben. Ihre Recherchen haben dazu beigetragen, die Erinnerung an Herta und Max Berthold lebendig zu halten.

Die Stadt dankt außerdem den betreuenden Lehrerinnen Linda Sonnborn und Daria Windgassen und Lehrer Hannes Ettwig, Stadtarchivarin Iris Metzler, dem Verein Bergische Zeitgeschichte, der die Kosten der Stolpersteine übernommen hat, sowie Wolfgang Motte, der die Geschichte von Herta Berthold-Plaat bereits in der Stadtchronik festgehalten hat.

Mit der Verlegung der Stolpersteine wird deutlich: Radevormwald vergisst nicht. Die Stadt stellt sich ihrer Geschichte und hält die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach – als Mahnung für Gegenwart und Zukunft.