Nach vielen Jahrzehnten ohne ganzheitliche Nutzung könnte das denkmalgeschützte Wülfing-Gebäude in Dahlerau vor einem neuen Kapitel stehen. Nach einer Vorberatung im Haupt-, Finanz-, und Wirtschaftsausschuss soll der Stadtrat soll in seiner Sitzung am 22. September 2026 darüber entscheiden, ob in der zweiten und dritten Etage des bedeutenden Industriedenkmals eine Indoor-Padelanlage entstehen kann. Geplant sind zwei Padel-Courts sowie die erforderlichen Sanitär- und Nebenräume.

Das Wülfing-Gebäude gehört zu den bedeutendsten Industriedenkmälern in Nordrhein-Westfalen. Heute befinden sich bereits zwei Museen in dem Gebäude. Gleichzeitig stehen noch große Flächen ungenutzt zur Verfügung. Gerade diese seit vielen Jahrzehnten bestehende Nichtnutzung war in Radevormwald immer wieder Gegenstand politischer und öffentlicher Diskussionen.

Mit der geplanten Padelanlage könnte nun eine Nutzung entstehen, die das historische Gebäude mit einem modernen Freizeit- und Sportangebot verbindet. Sport- und Freizeitnutzung in einem historischen Industrieambiente soll dabei nicht im Widerspruch zum Denkmalschutz stehen, sondern dazu beitragen, das Gebäude wieder stärker erlebbar zu machen.

Historisches Gebäude trifft Trendsport

Padel hat sich in Europa in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt und gewinnt auch in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Die Sportart gilt als leicht zugänglich und schnell zu erlernen. Dadurch spricht sie unterschiedliche Alters- und Nutzergruppen an – vom sportlich Aktiven bis zu Menschen, die einfach einmal etwas Neues ausprobieren möchten.

Genau diese breite Zielgruppe ist ein wesentlicher Vorteil der geplanten Nutzung. Durch das Padelangebot könnten neue Besuchergruppen nach Dahlerau und nach Radevormwald kommen. Gleichzeitig ergeben sich Möglichkeiten für Synergieeffekte mit den bestehenden Museen, der Kultur, der Gastronomie und weiteren gewerblichen Angeboten.

Auch über die Stadtgrenzen hinaus könnte die neue Nutzung eine positive Ausstrahlung entwickeln und Radevormwald als attraktiven Standort für Freizeit, Sport und Kultur weiter stärken.

Wenig zusätzliche Belastung für die Parkplatzsituation

Ein weiterer Vorteil der geplanten Nutzung liegt in den besonderen Rahmenbedingungen des Gebäudes. Für den Betrieb der beiden Courts ist keine große Anzahl an Stellplätzen erforderlich. Maximal acht aktive Spielerinnen und Spieler würden sich gleichzeitig auf den beiden Courts befinden. Damit ist im Vergleich zu anderen möglichen Nutzungen nur mit einer überschaubaren zusätzlichen Belastung der ohnehin angespannten Parkplatzsituation zu rechnen.

Auch der Betrieb selbst könnte vergleichsweise schlank organisiert werden. Buchung, Zugang und Belegung der Courts können digital gesteuert werden. Dadurch ist grundsätzlich nur wenig Personal erforderlich, was einen wirtschaftlichen und kostengünstigen Betrieb ermöglichen kann.

Denkmalschutz und moderne Nutzung zusammenbringen

Besonders wichtig ist, dass die charakteristischen Rahmenbedingungen des denkmalgeschützten Gebäudes erhalten bleiben. Die geplante Nutzung soll die historische Substanz nicht verdrängen, sondern mit einer modernen und zeitgemäßen Nutzung verbinden. Bei einem gemeinsamen Ortstermin zwischen dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland und der hiesigen Unteren Denkmalbehörde wurde die geplante künftige Nutzung des ehemaligen Fabrikgebäudes erörtert. Aufgrund der örtlichen Rahmenbedingungen wie die schwierigen Eigentumsverhältnisse auf dem gesamten Areal und die über Jahre erfolglosen Versuche der Vermarktung dieser Flächen steht das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland dieser Nutzung und den damit verbundenen Änderungen am Baudenkmal positiv gegenüber. Es ist zu berücksichtigen, dass die beabsichtigte Nutzung in hohem Maße an die Gegebenheiten und die besondere Situation vor Ort angepasst wird. Wesentliche Aspekte sind der (ohnehin geplante) weitgehende Erhalt historischer Substanz sowie eine umfassende Dokumentation des Bestands und der vorgesehenen Veränderungen.

„Das Wülfing-Gebäude ist ein bedeutendes Stück Radevormwalder Industriegeschichte. Gleichzeitig kann ein Denkmal nur dann dauerhaft lebendig bleiben, wenn es auch genutzt und erlebt wird. Die Idee, hier historischen Industriecharme mit einer modernen Trendsportart zu verbinden, ist deshalb besonders spannend“, sagt Bürgermeister Dejan Vujinovic.

Die Entscheidung des Stadtrates am 22. September ist dabei zunächst ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Umsetzung. Die konkrete Realisierung steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt der erforderlichen denkmalrechtlichen, baurechtlichen, brandschutztechnischen und statischen Prüfungen. Erst wenn diese Voraussetzungen geklärt sind, kann über die konkrete Umsetzung entschieden werden.

Sollte das Vorhaben realisiert werden können, könnte damit nach vielen Jahren der Diskussion über die ungenutzten Flächen ein neues Kapitel für das Wülfing-Gebäude beginnen: Ein Ort, an dem Industriegeschichte, Kultur und moderner Sport aufeinandertreffen.