28.12.2009: Rede Bürgermeister Dr. Korsten anläßlich des traditionellen Weihnachtssingens
Ansprache von Bürgermeister Dr. Josef Korsten anlässlich des traditionellen Weihnachtssingens am Heiligen Abend auf dem Marktplatz
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
herzlich Willkommen heiße ich Sie am heutigen Heiligen Abend zu unserem traditionellen Weihnachtssingen hier auf dem Marktplatz in Radevormwald. Viele Menschen kommen jedes Jahr kurz vor Mitternacht zusammen, um den Klängen des Posaunenchores der Martinigemeinde und des Radevormwalder Männerchores zu lauschen.
Wir wollen gemeinsam ein Stück dieser Stimmung erleben, die mit dem Heiligen Abend und der Heiligen Nacht verbunden ist. Wir wollen hier zusammen ein wenig menschliche Wärme finden und uns in die Stimmung des Weihnachtsfestes bringen, wenn wir in wenigen Minuten - kurz vor Mitternacht - alle das traditionelle Lied „O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ anstimmen.
Wenn dann um Punkt Mitternacht die Glocken der Kirche erklingen, dann haben wir gemeinsam wieder eine Veranstaltung erlebt, die etwas ganz Besonderes ist und die es in dieser Form wohl auch nur in Radevormwald gibt. Dieses Weihnachtssingen auf dem Marktplatz ist eine wunderschöne Tradition, die wir in Radevormwald seit Jahrzehnten pflegen. Und wie in jedem Jahr soll hier nicht eine Rede im Mittelpunkt stehen, sondern das weihnachtliche Singen und Musizieren. Und deshalb gilt mein besonderer Gruß und mein besonderer Dank dem Radevormwalder Männerchor und dem Posaunenchor der Martinigemeinde. Ich danke allen Musikern und all jenen, die mitgeholfen haben, diesen Abend zu organisieren, ganz herzlich für ihren Einsatz.
Das Jahr 2009 war kein leichtes Jahr für unsere Stadt. Radevormwald hat am 22. September ein tragisches Unglück durchleben müssen. Beim Busunglück an der Wupper verloren 5 Menschen ihr Leben, 7 wurden zum Teil schwer verletzt. Durch dieses Ereignis, das so furchtbare Erinnerungen an das Zugunglück vor 38 Jahren weckte, war unsere Stadt plötzlich national und international in den Schlagzeilen der Medien. Leider sind es ja meist die Katastrophen, die Aufmerksamkeit erzeugen, und nicht die vielen schönen und erfreulichen Nachrichten, die es auch jeden Tag gibt.
Viele Menschen in Radevormwald haben die Ereignisse am 22. September und in den Folgetagen sehr intensiv begleitet. Bei all dem Schlimmen und Tragischen, das ich am Unfalltag erleben musste, habe ich aber auch sehr viel Positives und Menschliches erfahren dürfen. Die Einsatzbereitschaft, mit der Feuerwehr, Polizei, Rettungsorganisationen und viele andere am Unfallort aktiv waren. Da sind viele an den Rand ihrer seelischen und körperlichen Kräfte gegangen und mancher auch darüber hinaus. So schlimm die Ereignisse an der Wupper auch waren, so sehr hat sich bei mir doch auch ein Gefühl der Hoffnung und Dankbarkeit festgesetzt. Dankbarkeit für die Hilfe, die von so vielen geleistet wurde, und der nachhaltige Eindruck, dass wir in der Not zusammen stehen; dass wir dann, wenn unsere Stadt von einem besonderen Schicksalsschlag getroffen wird, Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft zeigen. So schlimm der Unfalltag und auch die folgenden Tage für mich waren, so dankbar bin ich für diese Erfahrung des Zusammenstehens und der Hilfsbereitschaft. Und dies macht mir Mut, dass wir auch im kommenden Jahr die Aufgaben bestehen werden, vor denen unsere Stadt steht.
Denn hierin steckt ja auch ein Stück der Botschaft der heutigen Nacht. Die Botschaft der Hoffnung und der Nächstenliebe. Und diese Botschaft ist es, die wir in diesem Jahr auch in besonderer Weise brauchten, denn das Jahr 2009 war ja auch in anderer Hinsicht kein einfaches Jahr. Als wir vor genau einem Jahr hier standen, zeichneten sich gerade die Vorboten der Weltwirtschaftskrise ab. Wir schauten alle mit Sorgen in das Jahr 2009, weil wir nicht wussten, wie sich die Begriffe „Finanzmarktkrise“ und „Rezession“ denn im neuen Jahr auf unser Leben auswirken würden.
Da hatten einige Finanzjongleure in den Chefetagen internationaler Banken und Immobilienkonzerne das weltweite Finanzsystem ins Rutschen gebracht und wir Steuerzahler durften schließlich mit Hunderten von Milliarden Dollars und Euros dafür gerade stehen. Aber das waren ja nicht die direkten Auswirkungen, die eine Stadt und ihre Menschen spüren. Für Radevormwald hat diese Weltwirtschaftskrise, die immerhin die schlimmste seit 80 Jahren war, dazu geführt, dass erstmalig seit vielen Jahren die Zahl der Arbeitslosen wieder angestiegen ist. Sie hat viele Menschen in Kurzarbeit gebracht. Das sind die Auswirkungen, die viele von uns spürbar getroffen haben. Und wir müssen davon ausgehen, dass ihre Folgen auch in das Jahr 2010 hineinwirken werden.
Und dennoch ist gerade das Weihnachtsfest wie keine andere Jahreszeit eine Zeit der Hoffnung. Mit dem neuen Jahr, das vor der Tür steht, verbinden wir Wünsche und Ziele. Wir wünschen uns, dass uns katastrophale Ereignisse in unserer Stadt, aber auch ganz persönlich, erspart bleiben. Wir hoffen, dass wir und unsere Familien von Schicksalsschlägen verschont bleiben, und unser Ziel ist es, dass es in Beruf, Schule, Studium oder Ausbildung gut vorangeht.
Wir sollten uns aber heute Abend nicht nur auf unsere persönlichen und individuellen Ziele konzentrieren. Ein solches Zusammensein, wie wir es jedes Jahr am Heiligen Abend auf dem Marktplatz erleben dürfen, sollte uns auch ein Gefühl der gegenseitigen Verantwortung füreinander und für unsere Stadt vermitteln. Wir wünschen uns für 2010 Frieden für Radevormwald, ein von Respekt getragenes Zusammenleben und die Nächstenliebe, für die die Weihnachtsbotschaft so treffend steht.
Das ist die Gnade der Heiligen Nacht und wenn es uns gelingt, ein Stück davon im neuen Jahr zu leben, dann dürfen wir wirklich mit Recht am Ende dieser Veranstaltung singen „O du fröhliche, O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“.
Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Weihnachtsfest und uns allen und unserer Stadt Radevormwald ein erfolgreiches und glückliches neues Jahr.